Nach der langen, teilweise fliegerisch enthaltsamen Winterpause locken
uns nun die ersten Sonnenstrahlen wieder hinaus auf das
Windenschleppgelände. Viele Vereine treffen sich zu einem Briefing der
besonderen Art. Sie geben ihren Piloten, Windenführern und Gastfliegern
eine ausführliche Sicherheitseinweisung für die anstehende Flugsaison
mit auf den Weg. Diese soll in erster Linie die Flugsicherheit und
damit die Unfallprävention verbessern und Hinweise für den
Flugbetriebsablauf auf dem Vereinsgelände geben.
Der
Sicherheitsreferent des GSC-Weser, Rolf Ebeling, hat uns
freundlicherweise den Sicherheits-Check seines Vereins zur
Veröffentlichung und weiteren Nutzung durch andere Vereine zu Verfügung
gestellt. Wir danken dem GSC Weser und natürlich Rolf für diese Arbeit.
Wir
freuen uns über solche Berichte, die wir gerne unseren Vereinen zur
Erhöhung der Flugsicherheit im Schleppbetrieb zu Verfügung stellen!
Horst Barthelmes
DHV-Schleppbuero
SICHERHEITS-CHECK GSC-WESER
für alle GSC-Piloten und Gäste
Nach langer Winterpause möchte jeder Pilot im
Frühjahr in die Luft. Er kann seinen ersten Flug kaum erwarten. Damit
der erste Flug nicht der letzte wird, möchte der GSC auf
Gefahrenquellen im Gelände und auf nötige Sicherheitsmerkmale vor dem
Start hinweisen.
Die Unfallanalysen des DHV zeigen, dass ein
relativ hoher Prozentsatz der Unfälle zumindest teilweise auf
Unkenntnis geländespezifischer Gefahren zurückzuführen ist. Besonders
Gebietsneulinge sind durch schlecht sichtbare Hindernisse, markante
Turbulenzgebiete oder durch lokale meteorologische Besonderheiten
verursachte Gefahrenbereiche betroffen.
Jeder Pilot des GSC und jeder Gastflieger sollte
vor dem Start diese Checkliste für sich durchgehen und verinnerlichen.
Ein sicheres und gutes Gefühl stärkt mental jeden Piloten und mindert
damit die Unfallgefahr für sich und andere.
Gelände:
Vor jedem Flugtag ist die Beachtung der Geländeordnung das erste Ziel, erst danach erfolgt das Auspacken des Schirmes.
Zur Gewährleistung
eines reibungslosen, geordneten und sicheren Flugbetriebes auf dem
Fluggelände Lüdingen hat der GSC-Weser e. V. eine Flugbetriebs- und
Geländeordnung erlassen. Grundsätzlich erfolgt das Fliegen für
Gleitsegel und Hängegleiter nach eigener Entscheidung und gemäß der
aktuellen Flugbetriebsordnung des DHV.
Diese Fragen sollte jeder Flieger beantworten können:
- Erforderliche Windrichtung stimmt
- Gefahren am Gelände bekannt (Lee, Verwirbelungen…)
- Hindernisse eingeprägt (Baumreihen, Graben, …)
- Wo sind die Notlandeplätze
- Verbotszonen
- Landevolte
- Wichtige Rufnummern
- Unsere Ausklinkhöhe
Gerätecheck:
Meine Flugausrüstung ist meine Lebensversicherung. Nach diesem Motto muss jeder Pilot seine Flugausrüstung ständig warten, vor dem ersten Flugtag die notwendigen sicherheitstechnischen Überprüfungen vornehmen lassen und diese sind zu kontrollieren.
Diese Fragen sollte jeder Flieger beantworten können:
- Schirmcheck ok
- Gibt es Sicherheitsmitteilungen zu meiner Ausrüstung
- Hab ich die richtige Funkfrequenz
- Sind meine Karabiner zugelassen
- Ist mein Helm i.O.
- Stiefel sind i.O.
- Rettungsschirm gepackt und gecheckt
- Schleppklinke, Klinkenadapter, ggf. Windenschlepphilfe überprüft
- Gurtzeug noch aktuell und überprüft
- Handschuhe iO
Flugcheck:
Vor jedem Start müssen alle notwendigen
Vorbereitungen getroffen werden, die einen reibungslosen und sicheren
Flug gewährleisten.
Diese Fragen sollte jeder Flieger beantworten können:
- Startvorbereitung vollzogen (Helm, Handschuhe, Rettung usw.)
- Flugausrüstung ordnungsgemäß (Check vorhanden, Leinen überprüft, …)
- 5 Punkte Flug-Check
- Ausrüstungsgegenstände gesichert
- Sprechverbindung vorhanden
- Startkommandos sind bekannt
- Notlandeplätze kenne ich
- Landevolte kenne ich
Verhalten beim Start und während des Fluges:
Während der Startphase müssen die Weisungen der Startleitung beachtet werden.
Der Pilot muss vor der Abhebphase seinen
Kontrollblick einhalten, um sicher zu gehen, dass sich der Schirm in
einem flugfähigen Zustand befindet.
Diese Fragen sollte jeder Flieger beantworten können:
- Die Kommandos und das Notkommando: „Halt Stopp“ sind mir bekannt
- Die Beinzeichen und Signale sind mir bekannt
- Ich muss jederzeit auf einen Seilriss (Sollbruchstelle) vorbereitet sein
- Zuviel Bremse bedeutet Sackfluggefahr
- Ich führe die Tragegurte beim Start bewusst und lasse sie nicht zu früh los
- Ich fliege immer auf die Winde zu
- Abdrift bei Seitenwind kann ich einschätzen
- Vor dem Klinken gebe ich Beinzeichen und warte bis der Seilzug merklich nachlässt, dann erst klinke ich
- Bei
Problemen, z.B. beim Klinken, gebe ich dem Windenführer zuerst über
Funk Informationen, bevor ich die Winde
überfliege
- Ich fliege nicht über der Schleppstrecke zurück
- „Aktives Fliegen“ beherrsche ich
- Auf Schirmreaktionen bin ich vorbereitet
- Notlandeplätze sind erreichbar
- Landeeinteilung ist absolut wichtig (nicht nur für eine sichere Landung)
- Rückenwindlandungen sind zu vermeiden
- Schirmbeherrschung heißt Sicherheit
- Schirm-Kräfte darf ich nicht unterschätzen
Verhalten beim Landen und nach dem Flug:
Das Landen erfordert vom Piloten sehr viel
Konzentration. Während der Landephase hat der Pilot auf den Landeplatz
und dessen Umgebung zu schauen und muss in der Luft auf Störungen
reagieren können.
Diese Fragen sollte jeder Flieger beantworten können:
- Windrichtung beobachten
- Ich halte einen ausreichenden Mindestabstand zu Hindernissen
- Landevolte einleiten und ausführen
- Keine hastigen Bewegungen während des Landeanflugs
- Ich beobachte den Landeplatz und lande gegen den Wind ein
- Ich verlasse zügig den Landeplatz mit gerafftem Schirm
- Meine Flugausrüstung lege ich außerhalb des Schleppbereichs ab
- Checke meinen gewesenen Flug auf mögliche Störungen
Startleiter:
Startleiter stehen als Verbindungsglied zwischen
Pilot und Windenführer. Der Pilot ist zwar für seinen Start
verantwortlich, aber der Startleiter muss während der Startphase wach
und vorausschauend jede Bewegung des Piloten analysieren. Beim
kleinsten Anzeichen einer Störung ist der Start abzubrechen. Dadurch
vermeide ich mögliche Unfälle. Als Startleiter vertrete ich den
Platzhalter, bin für die Einhaltung der Auflagen und für den
Schleppbetrieb gemäß FBO verantwortlich.
Diese Fragen sollte jeder Flieger beantworten können:
- Gastflieger sind eingewiesen und die Flugerlaubnis ist überprüft
- Unbeteiligte
halten sich mit einem Sicherheitsabstand von mind. 20m von der
Startstelle entfernt auf, um die Startvorbereitungen nicht zu
stören.
- Keine Aufziehübungen vor einem Schleppstart im Startbereich
- Ich
habe mich im Startbereich versichert, dass das Schleppseil i.O. ist
(Vorseil und Schleppseil(e) liegen nicht über Hindernissen und sind
freigängig)
- Das Vorseil habe ich auf Schäden geprüft
- Ausrüstung wurde vom Piloten gecheckt (Helm, Schuhe u.s.w)
- Bein - und Brustgurt sind geschlossen
- Unmittelbar
vor dem Start habe ich die Einhängeöse des Abstandseils/Gabelseils
gecheckt und dem Piloten zum Eingehängen
übergeben
- Klinkprobe wird vor jedem Start überprüft
- Leinen sind frei und Eintrittskante der Kappe ist offen, Luftraum ist frei
- Zuerst
die Pilotenanmeldung (Name des Piloten, Gewicht, Gerät,
Betriebsschleppseil), dann erst die Schleppkommandos an den
Windenführer weiterleiten
- Beim Kommando „Fertig“ beobachte ich seitlich vor dem Piloten die Aufziehphase
- Wenn
der Schirm über dem Piloten ist und das Kommando „Start“ vom Piloten
erfolgt, melde ich das dem Windenführer, ansonsten breche ich den
Startvorgang ab. Kein Start ohne Pilotenkommando:
„START“!
- Nach
erfolgtem Start beobachte ich den Piloten bis zum Ausklinken, erst dann
wird der nächste Pilot zum Start vorbereitet
- Im Gefahrenfall unterbreche ich den Schleppvorgang mit dem Kommando „Halt Stopp“ (mehrmals)
- Der Startleiter organisiert die Rückholung der Schleppseile von der Winde
- Während
des Schlepps muss die Schleppstrecke frei sein. Auch der Rückholer darf
sich nicht in unmittelbarer Nähe des Schleppseils
aufhalten.
Windenführer:
Ohne Windenführer geht kein Pilot in die Luft. Der
Windenführer kontrolliert vor dem Schleppbetrieb die Winde und die
Schleppseile auf ordnungsgemäßen Zustand. Der Windenführer repariert
die Schleppseile und wechselt Sollbruchstellen aus. Er gewährleistet
einen sicheren Schleppvorgang. Startleiter und Windenführer garantieren
einen geordnet und sicheren Schleppbetrieb am Gelände.
Diese Fragen sollte jeder Windenführer beantworten können:
- Gültiger Windenführer-Ausweis für HG bzw. GS wird mitgeführt
- Windennachprüfschein ist an der Winde, Winde muss nachgeprüft sein!
- Betriebsanleitung für die Winde liegt an der Winde
- Erste Hilfeausstattung ist an der Winde
- Alarmplan ist an der Winde
- Windsack ist aufgebaut
- Winde ist für den Schleppbetrieb ausgerichtet (Windrichtung)
- Windencheck ist durchgeführt (Sichtprüfung)
- Kappvorrichtung ist getestet
- Windenfahrzeug und Rückholfahrzeug sind betankt
- Funkgeräte sind geladen und auf Startleiter und Rückholfahrzeug aufgeteilt
- Pilot, Schirm Gewicht und Startzeit werden protokolliert
- Schirm wird während der Startphase beobachtet
- Windenführer holt sich Rückmeldungen zum Schleppvorgang vom Piloten oder Startleiter
Erste Hilfe:
Die meisten Flugunfälle finden in der Start- und
Landephase statt. Da hier häufig weitere Piloten anwesend sind, leistet
jeder Fliegerkamerad Erste Hilfe. Wer in so einem Fall genau weiß, was
er zu tun hat, kann ohne Panik schnell und effektiv helfen.
Die Erste Hilfe-Nummern auf unserem Gelände sind an der Winde und im Startkoffer zu finden.
Vorgehen:
- 1. Unfallstelle sichern
- 2. Unfallort lokalisieren und Rettungsdienst anfordern
- 3. Anflug des Hubschraubers vorbereiten – Flugbetrieb während der Rettungsaktion einstellen!
- 4. lebensrettende Sofortmaßnahmen
- 5. Lagerung des Verunglückten
- 6. Vorbereiten zum Aufwinschen
Niemand braucht zu fürchten, bei unkorrekter oder
unvollständiger Hilfeleistung zur Rechenschaft gezogen zu werden. Wer
bei einem Notfall hilft, braucht bei unrechtmäßigem Handeln nur Vorsatz
und grobe Fahrlässigkeit zu vertreten. Also haben juristische
Konsequenzen nur zu fürchten, wer bewusst etwas Schädliches tut oder
gar nicht hilft. Niemand muss sich aber selbst in Gefahr begeben, um zu
helfen. Ist die Hilfe nicht nötig, besteht keine Hilfspflicht mehr.
Wichtig ist es, Ruhe zu bewahren und überlegt
vorzugehen. Hektisches Handeln kostet Zeit oder schadet sogar dem
Verunglückten. Mehrere Helfer sollten sich deshalb organisieren. Zum
Beispiel trägt man Informationen bei einem zusammen, der den
Rettungsdienst verständigt, andere stellen sich an Straße und
Weggabelungen, um anrückende Rettungsfahrzeuge zu lotsen usw.
Verhalten auf dem Fluggelände:
Sicherheit lässt sich nur gewähren, wenn sich alle
Personen (Aktive, Passive, Gäste) umsichtig und achtsam auf dem
Fluggelände verhalten.
Diese Fragen sollte jeder beantworten können:
- Hunde sind angeleint
- Das Schleppgelände ist keine Spielwiese für Kinder
- Ich halte mich nur an den vorgesehenen Bereichen am Fluggelände auf
- Ich beobachte aufmerksam den Luftraum und beachte die landenden Piloten
- Jeder
Pilot und eingewiesene Personen sorgen für ein sicheren Flugbetrieb,
indem sie sich aktiv am Flugbetrieb beteiligen (z.B. Seilrückholung,
Sicherung des Schleppgeländes, Abbau nach einen Flugtag usw.)
Körperschutz:
Ein wichtiger Faktor zur Vermeidung von Verletzungen bei Fliegen ist die Schutzbekleidung. Der Helm sollte passgenau, CE-geprüft und mit einem Kinnbügel ausgestattet sein. Handschuhe
dienen nicht nur dem Kälteschutz, sondern schützen auch vor
Schnittverletzungen durch Leinen oder Unterverspannung. Eine passende Bekleidung als Kälteschutz verhindert auch Schürfwunden. Knöchelhohe Schuhe mit rutschfester Sohle sind ein Muss!!
Die Unfallanalysen sprechen für sich: Protektoren im Gleitschirmgurt sind nicht nur Pflicht, sie mindern die Verletzungsschwere effektiv.
Auch den Steuerbügeln
am Drachen sollte Beachtung geschenkt werden. Neben einer ausreichenden
Festigkeit für den Flugbetrieb sollten sie beim „Crash“ gezielt
zugunsten des Oberarmes nachgeben können.
Flugvorbereitung:
Zur Flugvorbereitung und ständigen
Ausrüstung sollte außer der vorgeschriebenen Ausrüstung zusätzlich für
Streckenflieger noch gehören (laut DHV):
- Handy mit eingespeicherten Notrufnummern der Fluggegend
- topographische Karte mit Gitternetz der Fluggegend (UTM, Swissgrid oder Geo) oder
- GPS
- Notsignalgerät
- Rettungsdecke
- 2 Reepschnurenden (3-5 m; 5 - 7mm stark) in der Kombi
- Verbandpäckchen
- etwas Wundschnellverband
- etwas Kochsalz
- Wasser
- elastische Binde (8cm breit)
- Messer
- Latexhandschuhe
- Wenn
eine Baumlandung nicht auszuschließen ist, sollte man zusätzlich noch
folgende Ausrüstungsgegenstände dabei haben:
- 20m lange 7mm Reepschnur oder Halbseil; im/unter dem Gurtzeug
- zusätzlicher Schraub- oder HMS Karabiner am Gurtzeug
Achtung: In die Rückentasche des
GS-Gurtzeugs sollte man keine harten Gegenstände packen, da sie die
Wirkung des Protektors beeinträchtigen können.
Wichtige Informationen:
WWW.GSC-Weser.de
WWW.DHV.de Aktuelle Sicherheitsmiteilungen und Lufttüchtigkeitsanweisungen, Technische Mitteilungen usw.